Familie Weißbescheid
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von Dr. Milena Baumgärtner und Dr. Kim Schnorrenberg

14.06.2026

Hausapotheke für Kinder - Das braucht ihr wirklich!

Ein Wespenstich, plötzliches Fieber in der Nacht oder eine aufgeschürfte Kniescheibe beim Fahrradfahren – Kinder werden nicht nur werktags krank und verletzen sich selten zu den Öffnungszeiten derKinderarztpraxis. 

Eine gut ausgestattete Hausapotheke hilft dabei, kleinere Beschwerden und Verletzungen zunächst selbst zu versorgen und in Ruhe zu entscheiden, ob ärztliche Hilfe notwendig ist. 

Wichtig dabei: Eine Hausapotheke ersetzt niemals die ärztliche Untersuchung. Sie kann jedoch dabei helfen, die Zeit bis zur medizinischen Versorgung zu überbrücken und unnötigen Stress im Alltag zu vermeiden. Gut vorbereitet spart man sich auch häufig die zusätzlichen Kosten für den Einkauf bei der Notapotheke.  

Warum eine Hausapotheke für Kinder sinnvoll ist 

Gerade mit Kindern treten viele gesundheitliche Probleme plötzlich auf. Eben war beim Spielen noch alles gut, abends hustet das Kind jedoch und findet nicht in den Schlaf. Auch Fieber steigt oft abends stärker an.  

Genauso kündigen sich Magen-Darm-Infekte selten an, genauso unverhofft treten Dinge wie Insektenstiche oder Verletzungen auf.  

Wer die wichtigsten Materialien und Medikamente bereits zu Hause hat, muss nicht nachts oder am Wochenende hektisch nach einer geöffneten Apotheke suchen. 

Die Basis jeder Hausapotheke  

Fieberthermometer 

Ein zuverlässiges Fieberthermometer gehört zur Grundausstattung. 

Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern hilft die Temperaturmessung dabei, den Zustand besser einzuschätzen und gegebenenfalls wichtige Informationen für Kinderärztinnen, Kinderärzte oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst bereitzuhalten. Wichtig ist gerade bei den Kleinen auf eine flexible Spitze zu achten und etwas Gleitmittel, z.B. Vaseline für die rektale Messung bereit zu haben.  

Etwas ungenauer, aber mit zunehmendem Alter des Kindes oft besser toleriert, ist ein Thermometer, welches die Temperatur in den Ohren misst.  

Medikamente gegen Fieber und Schmerzen 

Fieber gehört zu den häufigsten Gründen, warum Eltern nachts verunsichert sind. 

Für Kinder geeignete Schmerz- und Fiebermittel sollten daher Bestandteil der Hausapotheke sein. 

Geeignet sind beispielsweise Ibuprofen oder Paracetamol. Entscheidend ist, dass die Dosierung zum Alter und Gewicht des Kindes passt. Für Kinder stehen diese Medikamente in altersgerechten Darreichungsformen wie Saft oder Zäpfchen zur Verfügung. 

Die Dosierung sollte immer nach Packungsbeilage beziehungsweise ärztlicher oder pharmazeutischer Empfehlung erfolgen. Da es unterschiedliche Stärken der jeweiligen Medikamente gibt, sollte darauf unbedingt geachtet werden und im Zweifel lieber auf der Originalpackung als im Internet nachgeschaut werden.  

Tipp: Notiere dir das aktuelle Gewicht deines Kindes. Viele Medikamentendosierungen orientieren sich daran. 

Wird eine neue Flasche geöffnet, sollte mindestens das aktuelle Datum auf der Flasche notiert werden, noch besser: der Tag des Ablaufdatums nach Anbruch.  

Hilfe bei Erkältungen 

Nicht jede Erkältung benötigt Medikamente. Dennoch können einige Dinge hilfreich sein: 

Ist die Nase des Kindes stark verstopft und die Atmung dadurch beeinträchtigt, kann zunächst eine physiologische Kochsalzlösung angewendet werden. Bei Säuglingen reichen hierfür meist wenige Tropfen aus. Anschließend kann ein Nasensauger helfen, das gelöste Sekret zu entfernen. Die Saugkraft sollte dabei stets nur so stark wie nötig sein. Besonders geeignet sind Nasensauger, bei denen Eltern die Saugstärke selbst über ein Mundstück regulieren können. Ausreichend Taschentücher sollten ebenfalls immer vorrätig sein.  

Abschwellende Nasensprays sollten nur altersgerecht und zeitlich begrenzt angewendet werden. Ein Meersalznasenspray kann in leichteren Fällen daher die sinnvollere Alternative sein.  

Eine große Unterstützung kann bei Erkältung die Befeuchtung der Atemluft sein, zum Beispiel indem man feuchte Handtücher in der Wohnung verteilt. Inzwischen sind viele Inhalationsmöglichkeiten für Kinder auf dem Markt, die sicher angewendet werden können, wenn man so ein Gerät zu Hause hat oder es kaufen möchte. Inhalation mit heißem Wasserdampf über einem Topf ist daher aufgrund der Verbrühungsgefahr auf jeden Fall zu vermeiden. 

Wundversorgung  

Kleine Verletzungen gehören zum Familienalltag dazu.  

Deshalb sollten folgende Materialien vorhanden sein: 

  • Pflaster in verschiedenen Größen 
  • Kinderpflaster mit Motiven (erhöhen oft die Akzeptanz) 
  • Wasserdichte Pflaster (gibt es auch mit Kindermotiven) 
  • sterile Kompressen 
  • Mullbinden 
  • elastische Fixierbinden 
  • Wunddesinfektionsmittel 
  • Physiologische Kochsalzlösung in kleinen Ampullen z.B. 10ml  
  • Wund- und Heilsalbe 
  • Pinzette für Splitter 

Hier lohnt es sich alles gemeinsam in einer Box aufzubewahren, um im Notfall schnell alles griffbereit zu haben. Die Reinigung der Wunde mit Wunddesinfektionsmittel oder das Entfernen von Fremdkörpern z. B. mit einer Pinzette sollte immer an erster Stelle stehen. Erst danach ist es sinnvoll die Wunde mit einem Pflaster oder einem Verband zu bedecken. Die Art des Verbands richtet sich nach Größe und Ort der Verletzung.  

WICHTIG: Wunddesinfektionsmittel niemals zum Spülen tiefer Wunden verwenden. Hier eignen sich kleine Ampullen mit physiologischer Kochsalzlösung am besten.  

Kühlmöglichkeiten  

Bei Prellungen, Verstauchungen oder Insektenstichen kann Kühlung hilfreich sein. 

Geeignet sind Kühlpacks oder Sofort-Kälte-Kompressen für unterwegs.  

Wichtig: Kühlpacks niemals direkt auf die Haut legen. Hier hilft ein dünnes Baumwolltuch (z. B. Mulltuch), unterwegs z. B. ein Taschentuch. Gerade kleinere Kinder sollten niemals großflächig und dauerhaft gekühlt werden.  

Bei Magen-Darm-Beschwerden 

Durchfall und Erbrechen können insbesondere bei kleinen Kindern schnell zu Flüssigkeitsverlust führen. Ausreichendes Trinken ist daher das A und O. Behält dein Kind aber davon nicht mehr viel bei sich, sollte nun spätestens eine orale Elektrolytlösung angerrührt werden. Diese gibt es für Kinder in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Fällt das Trinken sehr schwer sollte das Getränk teelöffelweise gegeben werden.  

Ausreichend Windeln und wasserfeste Unterlagen für das Bett sind ebenfalls sinnvoll.  

Sollten sich die Beschwerden nicht verbessern, sich der allgemeine Zustand des Kindes deutlich verschlechtern, Fieber dazu kommen oder das Kind noch im Säuglingsalter sein, sollte das Kind kinderärztlich vorgestellt werden. 

Insektenstiche und Hautreizungen 

Hilfreich können sein: 

Bei juckenden Stellen auf der Haut, verursacht durch Insektenstiche oder andere Hautreizungen können kühlende Gelpräparate Linderung verschaffen. Nach Empfehlung von Kinderärzt*in oder Apotheke gibt es auch verschiedene Präparate, die gezielt den Juckreiz lindern.  

Nach dem Aufenthalt im Freien solltest du den gesamten Körper deines Kindes auf Zecken absuchen. Für die Entfernung einer Zecke ist es wichtig, ein geeignetes Werkzeug zu Hause zu haben. Hier empfiehlt sich eine Zeckenpinzette oder –zange. Auch Zeckenkarten können verwendet werden. Nach der Entfernung einer Zecke sollte die Stelle für mehrere Wochen gut beobachtet werden. Tritt hier oder am Rest des Körpers eine Rötung auf, sollte dies der dem Kinderarzt vorgestellt werden.  

Diese Informationen sollten immer griffbereit sein 

Eine Hausapotheke besteht nicht nur aus Medikamenten. Ebenso wichtig sind Telefonnummern, die du im Ernstfall schnell zur Hand haben solltest: 

  • Kinderarztpraxis 
  • kinderärztlicher Notdienst 
  • ärztlicher Bereitschaftsdienst (116 117) 
  • Rettungsdienst (112) 
  • Giftnotruf 

Viele Eltern speichern diese Nummern im Smartphone. Zusätzlich empfiehlt sich eine ausgedruckte Liste in der Hausapotheke. 

Wo sollte die Hausapotheke aufbewahrt werden?  

Die Hausapotheke sollte an einem Ort aufbewahrt werden, den du im Zweifel schnell erreichen kannst, der jedoch gleichzeitig deinem Kind nicht zugänglich ist. Außerdem ist es wichtig, dass der Ort trocken und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt ist. Eine normale Raumtemperatur um die 18-22 Grad ist optimal.  

Mindestens zweimal pro Jahr sollten Ablaufdaten überprüft, abgelaufene Medikamente aussortiert und die Hausapotheke mit den wichtigsten Dingen nachbefüllt werden.  

Alte Medikamente gehören niemals in die Toilette oder den Ausguss. In Deutschland werden sie in der Regel über die graue Restmülltonne entsorgt, da der Hausmüll in Verbrennungsanlagen thermisch verwertet wird. Alternativ nehmen auch viele Apotheken, Recyclinghöfe oder Schadstoffmobile Altmedikamente entgegen. 

Häufige Fehler bei der Hausapotheke  

  • Zu viele Medikamente auf Vorrat kaufen 
  • Nicht jede Erkältung benötigt ein eigenes Medikament. Eine übersichtliche Hausapotheke ist meist hilfreicher als ein überfüllter Medikamentenschrank. 
  • Medikamente nach Gefühl dosieren  
  • Bei Kindern richtet sich die Dosierung häufig nach dem Körpergewicht. Deshalb sollten Dosierungsangaben immer sorgfältig überprüft werden. 
  • Abgelaufene Medikamente weiter aufbewahren 
  • Regelmäßige Kontrollen verhindern, dass wichtige Medikamente im Ernstfall nicht mehr verwendbar sind. 

Fazit 

Eine gut vorbereitete Hausapotheke schafft keine absolute Sicherheit – aber sie gibt Eltern die Möglichkeit, in vielen Alltagssituationen ruhiger und strukturierter zu handeln. 

Wichtiger als eine große Auswahl an Medikamenten ist eine durchdachte Ausstattung mit den Dingen, die tatsächlich regelmäßig benötigt werden. 

Möchtest du die komplette Checkliste als PDF zum Ausdrucken erhalten?  Hier kannst du sie dir direkt herunterladen und ausdrucken. 

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Wenn du mehr über Kindernotfälle erfahren möchtest, komm in unser kostenloses Webinar am 17. Juni um 20 Uhr: “Jede Sekunde zählt: die 3 häufigsten Notfälle bei Kindern” mit uns, Dr. Kim Schnorrenberg, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Dr. Milena Baumgärtner, Fachärztin für Allgemeinmedizin.  

Jetzt anmelden und dabei sein! Wir freuen uns auf dich!



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Dr. Milena Baumgärtner und Dr. Kim Schnorrenberg

Hauptberuflich arbeiten wir als Ärztinnen in einer Praxis und einer Klinik. Für uns hat das Thema Kindergesundheit und ganz besonders die Prävention einen hohen Stellenwert. 

Gesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Krankheiten. Als gesund wird das körperliche, geistige und psychische Wohlergehen definiert. Uns geht es um die Gesundheit von allen Kindern, unabhängig davon, ob euer Kind allgemein als „gesund“ gilt oder eine chronische Erkrankung oder Behinderung hat. 

Neben der Liebe zur Gesundheitsförderung von Kindern, verbindet uns seit unserer Studienzeit eine jahrelange enge Freundschaft. 

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